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Essay

1. Preis

nicht vergeben

 

2. Preis

Philip Spang

(Gymnasium Sandhausen)

Ist die Menschheit schon auf der Erde als ihrem Zuhause angekommen?

 

Die naheliegende Antwort lautet ja, die weniger naheliegende wohl eher naja.

Das Argument, dass die Menschheit aufgrund der Evolution auf der Erde entstanden ist und diese ihr damit als Zuhause dient, scheint offensichtlich. Doch betrachten wir als Gegenargument statt dem Kollektiv den einzelnen Homo Sapiens. Wenn ein Baby im Krankenhaus geboren wird, dann ist nicht dieses sein Zuhause, sondern eher der Ort, den es zu diesem bestimmen würde und als Heimat ansieht, also wahrscheinlich der Bauch der Mutter. Ein geistig gesundes Baby käme, genauso wie der durchschnittliche Erwachsene, vermutlich niemals auf den Gedanken, sein eigenes Zuhause wissentlich zu zerstören, so wie es die Menschheit seit einigen Jahrzehnten mit der Erde handhabt.

Um die weniger naheliegende Antwort namens naja näher zu erläutern, möchte ich einen großen Vergleich heranziehen – einen Vergleich von der Größe eines Paralleluniversums, in welchem die Menschheit technisch einige Jahrhunderte fortgeschrittener ist als wir. Außerdem existiert in jenem Paralleluniversum ein zweiter, für den Menschen bewohnbarer und außerdem erreichbarer Planet. Dieser Planet ist kein Planet im eigentlichen Sinne, sondern eine riesige Scheibe, die auf dem Rücken von vier Elefanten, welche regungslos auf einer riesigen Schildkröte stehen, durch das All fliegt.

Einige hundert Reiche, reiche Verrückte und von reichen Verrückten bezahlte Wissenschaftler haben sich in einem hochmodernen, hochkomplizierten und außerdem sehr teuren Raumschiff auf den Weg gemacht, ein neues Zuhause auf diesem Scheibenplaneten zu finden.

Doch wenn wir uns die Frage stellen, wann diese Auswanderer wirklich auf der Scheibe als Zuhause angekommen sind, zeigt sich ein neues Problem auf.

Sind sie angekommen, wenn das Raumschiff landet? Nein, denn dann wäre ja jeder Ort, den ein Mensch betritt, sein Zuhause.

Sind sie dann also angekommen, wenn der erste Grundstein für ihre Siedlung gelegt ist? Nein, denn dann wäre ja das noch nicht errichtete Haus das Zuhause seines Besitzers, obwohl dieser noch einen anderen Ort sein Zuhause nennt.

Sind sie dann also endlich angekommen, wenn sie eine Siedlung errichtet haben und dort leben? Der Mensch als Individuum sicherlich, wenn er denn seine neue, ungewohnte Bleibe als Zuhause ansieht.

Doch bei der Frage nach dem Kollektiv muss man genauer hinschauen. Die Menschheit, in diesem Fall besteht sie aus den Auswanderern, kann, anhand des Beispiels mit dem Baby, nur dann ein wirkliches Zuhause finden, wenn sie dieses nicht wissentlich zerstört, denn nur dann sieht sie ihr Zuhause als Zuhause an. Folglich müssen die Auswanderer lernen, ihre neue Umwelt zu verstehen und diese vor schädlichen Einflüssen zu schonen.

Wenn wir nun mit dieser Erkenntnis wieder auf unser Universum und unsere Erde blicken, sehen wir, dass wir unsere Heimat nicht wie ein Zuhause behandeln.

Wir würden die Erde nicht wissentlich zerstören.

2. Preis

Nele Hyner

(Gymnasium Walldorf)

Essay – ankommen, angekommen, bleiben

 

Ein ganz normaler Donnerstagabend. Ich sitze im Bus auf dem Weg nach Hause. Linie 707, immer voll, immer laut – Feierabend-Stress.

Am Bahnhof steigen fünf Jugendliche ein und unterhalten sich lautstark auf arabisch, bis ein älterer Herr mit Aktentasche sich umdreht und seiner Wut freien Raum lässt: „Hey“, ruft er. „Ruhe dahinten! Es gibt hier auch noch andere Fahrgäste.“ Soweit, so gut. Doch plötzlich wendet er sich mir zu – er hat mich wohl als einen geeigneten Gesprächspartner auserkoren – und murmelt immer noch sichtlich verärgert:

„Da arbeitet man den ganzen Tag und dann sowas. Sollen sie doch in Syrien bleiben.“

In diesen beiden Sätzen schwingt so viel Hass mit, dass es mich einen Moment lang sprachlos macht – einen Moment zu lang. Ich kann nichts erwidern, sondern drehe mich einfach nur beschämt weg. Diese Reaktion bereue ich bis heute und möchte nun nachholen, was ich damals versäumt habe: Meine Meinung sagen!

Ich bin zwar kein Empathie-Genie, aber ich bilde mir ein, das Gespinst, welches sich im Hirn jenes Herren befindet, darlegen zu können. Nicht nachvollziehen, aber darlegen: Es ist wohl keinem entgangen, dass in den letzten Jahren ist die Zahl der Zuwanderer aus arabischen Ländern drastisch gestiegen ist. Proportional dazu hat das Ansehen rechtspopulistischer Gruppierungen und Parteien, wie beispielsweise der AfD, stark zugenommen. Diese wiederum nutzen die Zuwanderung von Ausländern, um ihre Popularität zu steigern. Indem sie stereotype Ängste, wie „Die bringen den Terror direkt nach Deutschland“ in der Bevölkerung schüren, kommt es zu einer Spaltung der Gesellschaft.

Die Extrema dieser Spaltung sind Menschen wie jener Herr aus dem Bus oder Beatrix von Storch, welche am liebsten alles, was nicht deutscher Herkunft ist, gar nicht erst ins Land hinein, ja sogar an der Grenze abschießen lassen würden. Auf der anderen Seite stehen jene, welche es präferieren würden, direkt nach Griechenland zu fahren und die Ankömmlinge per Privat- Shuttle über die deutsche Grenze geradewegs in ihr Wohnzimmer zu befördern.

Diese Extrema erfordern, ja erzwingen einen Umbruch im gesellschaftlichen Denken.

Aber was bedeutet ein solcher Umbruch? Zunächst einmal, dass man sich seiner Zwangsläufigkeit bewusst werden muss, erst dann kann man ihn ins Praktische umsetzen. Dies beginnt beim Unterlassen der misstrauischen Blicke in Richtung von Frauen mit Kopftuch bishin zum Offen sein gegenüber ausländischen Bräuchen und Traditionen, sowie der Bereitschaft oder sogar dem Wunsch durch sie hinzu zu lernen. Schlussendlich muss man sich im Klaren darüber sein, dass kulturelle Unterschiede zu Problemen führen können, dass die Bereicherung, die eine Gesellschaft dadurch erfährt, jedoch um einiges wertvoller ist.

Sicherlich gibt es auch Menschen, welche eine solche Offenheit ausnutzen aber trotzdem denke ich, es ist unsere Pflicht als Einwohner eines so fortschrittlichen Industrielandes und im Hinblick auf unsere Vergangenheit, im Sinne der Humanität zu handeln, und Menschen, die unsere Hilfe in Form von Asyl benötigen, zu unterstützen. Diese Unterstützung sollte sich nicht nur auf eine Aufnahme und Versorgung der geflohenen Personen beschränken, sondern vor Allem ihre Integration beinhalten. Während ersteres durch die Mithilfe einiger Weiger möglich ist, wird für ‚ y die Eingliederung ausländischer Flüchtlinge die Zusammenarbeit des Großteils der deutschen Bevölkerung benötigt. Dies ist eine große Aufgabe, doch kann genauso als Chance gesehen werden. Als Chance, zu helfen und sich als Gemeinschaft zu beweisen. Sicherlich wird eine solche Aufgabe auch weiterhin gesellschaftliche Spannungen und Meinungsunterschiede mit sich bringen. Aber genauso, wie es laut dem deutschen Grundgesetz das Recht zur freien Meinungsäußerung gibt (Artikel 5, Absatz 1), welches rechtspopulistische Gedankengutträger genießen und – zu Recht – in Anspruch nehmen, sind in Deutschland alle Menschen vor dem Gesetz gleich (Artikel 3, Absatz 1), also auch jene, die aus dem Ausland kommen und um Hilfe bitten.

Es lässt sich also sagen, dass es aus moralischen, historischen und rechtlichen Gründen unsere Pflicht ist, Menschen, die aufgrund von Krieg und Gewalt auf der Flucht sind – und seien es noch so viele – bestmöglich aufzunehmen, zu unterstützen und vor Allem zu akzeptieren und zu integrieren. Ich denke, dass hierfür ein Prozess des Umdenkens in Köpfen wie dem des älteren Herren aus dem Bus nötig ist, welcher sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, aber ich bin und bleibe diesbezüglich zuversichtlich!

 

3. Preis

Carmen Adrian

(Gymnasium Sandhausen)

Ankommen/Angekommen/Bleiben

 

Ankommen, angekommen, bleiben dieses Thema kann man wahrscheinlich auf unendlich viele Gebiete beziehen und es betrifft auch jeden mindestens einmal im Leben. Ich werde wahrscheinlich nicht einmal einen Bruchteil dessen erfassen, was es bedeuten kann, denn dass muss jeder für sich selbst definieren.

Ankommen ist von allen drei Begriffen wohl noch der eindeutigste. Man kann in einem Land ankommen oder in einem Raum vielleicht auch in eine Gruppe. Ich denke ankommen ist sehr ortsbezogen zu verstehen, man geht zu einem bestimmten Ziel und wenn man dort ist, kommt man an. Dass man dann nicht sagt man ist angekommen lässt sich damit erklären, dass „angekommen“ sich oftmals vielmehr auf die geistige Ebene bezieht. So kann man in einer Gruppe, einem Land angekommen sein wenn man sich z.B. wohl fühlt und nicht fremd, wenn man die Menschen und ihre Kultur versteht, sich möglicherweise sogar ein Stück weit eingegliedert hat. Das Bleiben ist nun eine Entscheidung, die meistens man selbst trifft und die oft mehr unterbewusst als bewusst gefallt wird und einem erst dann bewusst wird, wenn man vor die Entscheidung gestellt wird ob man gehen will oder nicht.

Ankommen, angekommen, bleiben – dass lässt sich auch auf die momentane Situation der Flüchtlinge beziehen und dass ist wahrscheinlich auch der erste Gedanke von vielen Leuten, wenn sie von dem Thema hören. „Ende 2015 waren 65,3 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht […] vor zehn Jahren [waren es] 37,5 Millionen Menschen.“ (uno-flüchtlingshilfe.de)

65,3 Millionen Menschen – dass sind mehr als 3/4 der Deutschen. 65,3 Millionen Menschen, die sich dagegen entscheiden haben in ihrem Heimatland zu bleiben, um in einem neuen Land, einer neuen Kultur anzukommen. 65,3 Millionen Menschen, die hoffen in einem neuen Land angenommen und akzeptiert zu werden und Menschen, die hoffen irgendwann sagen zu können sie seien angekommen.

Diese Hoffnung hegen aber nicht nur Flüchtlinge sondern auch viele Schüler, die in eine neue Klasse kommen und sich in die Klassengemeinschaft eingliedern müssen. Beim Zurechtfinden in einer neuen Klasse spielen viele Faktoren eine Rolle, wobei Lehrer und Klassenkameraden gleichermaßen am Einfindungsprozess beteiligt sind. Oftmals wird der Weg bis zum „Angekommen sein“ und „zum Bleiben“ durch Mobbing („Etwa ein Kind von fünfundzwanzig kann als ernstes Opfer von Mobbing bezeichnet werden“, so Schäfer, Mobbing und Entwicklungsexpertin) oder andere Schwierigkeiten erschwert und in manchen Fällen tritt das Gefühl des „Angekommenseins“ und der Zugehörigkeit nie ein.

Viele Menschen suchen lange danach bis sie an den Punkt gelangen an dem sie sagen können, dass sie angekommen sind und bleiben werden, andere haben diesen Punkt nie suchen müssen und wieder andere werden ihn nie erreichen. Aber letztendlich ist es egal ob Flüchtling, Schüler oder jemand der in ein neues Land zieht, eines haben alle Menschen gemeinsam, das Streben nach Zugehörigkeit und Akzeptanz.